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Ist schon eine beeindruckende Zahl an Tagen auf dieser Welt, wenn einem/einer doch viele Tage gefühlt einfach so durch die Finger rinnen und andere wiederum sich bis ins Endlose zu zu ziehen scheinen.


Mein damaliger Chef bzw. direkter Vorgesetzte bei der Bundeswehr hatte an seiner Wand im Büro einen "Umklapp-Kalender", an dem er die Tage bis zu seiner Rente / Pension zählen konnte. Jeden morgen, wenn ich ins Büro kam ( wir haben uns super verstanden ) hat er, mit einem Grinsen wie das eines Kleinkindes bei freudiger Erwartung auf Schoki, die Tage weiter geklappt und sich gefreut, dass er bald raus aus dem Hamsterrad kann. Er hatte keine sonderlich hohen Ansprüche, wirklich nicht.

Er wollte in Ruhe gelassen werden. Er wollte sich nicht mit den aberwitzigen und teils schwachsinnigen Anweisungen seiner Vorgesetzten rumschlagen. Er hatte auch keine Lust mehr auf das Starre "nine to five" Modell. Grundsätzlich waren unnötige oder unsinnige Anweisungen nicht sein Ding, und er war auch ein wie ich finde ausgesprochen kluger Mensch. Allerdings ist es bei solch einer Aversion gegen starre Regeln gerade bei der Bundeswehr etwas schwer.


Eines seiner Hobbies war es, sich am Samstag oder Sonntag morgen bei allen möglichen Autohändlern die Autos anzusehen. Er war durch und durch Norddeutscher, also so richtig in Küstennähe geboren und hatte auch diese ruhige, manchmal etwas rustikale Art an sich. Ich mochte das sehr an ihm. In dieser nordischen Region gab es viele Autohändler, die sich auf Oldtimer spezialisiert haben und natürlich auch restaurieren. Ich kann mich gut daran erinnern: Eines morgens kam er ins Büro und erzählte freudestrahlend von einem Auto, dass er sich gekauft hat. Viel zu teuer, schlechter Zustand, eigentlich kein Geld dafür und fahren geht ohne Kennzeichen etc. auch erstmal nicht. Aber zum Teufel, es war geil!

Das Auto wollte er schon lange haben. Es war ein Buick. Die genaue Bezeichnung weiß ich leider nicht mehr, als ich diesen hier aber in Kroatien gesehen habe, musste ich sofort an ihn und seinen Buick denken:

Optisch nicht ganz so rausgeputzt wie hier auf dem Bild, aber es war ein Buick und in den Augen meines Chefs muss er genauso ausgesehen haben.

Witzigerweise passt auch der Mann rechts neben dem Auto mit seiner "stolzen" Erscheinung wie Arsch auf Eimer zu meinem ehemaligen Chef :) Tja, er hatte sich also seinen Wunsch erfüllt; Nach ein paar Wochen war es ihm dann auch möglich den Buick zu fahren, und er tat das mit Leidenschaft! Nichts desto Trotz blätterte er weiterhin jeden Tag aufs neue die Tage im Kalender um, voller Vorfreude auf seine Pension. Was genau er mit seiner freien Zeit dann hätte machen wollen, kann ich nicht sagen. Nicht weil ich schliesslich versetzt wurde und meine Dienstzeit bei der Bundeswehr endete. Sondern weil er starb. Herzversagen. Mitte / Ende 40. Vor seiner Pension.


Auch wenn ich diesen Gedanken zwar seit dem mit mir rumtrage, aber scheinbar nicht umgesetzt bekomme: Wichtig ist, sich auch seine Wünsche zu erfüllen. Dabei spielt es im Grunde keine Rolle, welche das sind. Aber wenn ich daraus etwas lernen kann, dann sicherlich das: Wünsche haben ihre Berechtigung. Wünsche sollten auch erfüllt werden, sofern es möglich ist. Dabei geht es nicht nur um Geld. Geld kommt und geht. Klingt abgedroschen, ist es vielleicht auch, aber ich bin überzeugt, dass es stimmt. Irgendwann ist es trotz oder wegen des fehlenden Geldes plötzlich zu spät um sich Wünsche zu erfüllen. Also warum nicht nach und nach schon damit anfangen und sich einfach daran erfeuen, was geht und was Mann / Frau hat.


Alles Gute für dich da oben, Olaf! Warst ein super Typ!


LG Sebastian

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