• Sebastian

Eine Sache verbindet uns alle

Ständig neue Regeln. Immer wieder neue Appelle. Meldungen von einem neuen "Höchststand" an Infektionen, Verstorbenen oder andere Superlative. Die unsichtbare Bedrohung da draußen, allzeit auf uns lauernd, um zuzuschlagen. Ein Gegner, der unsichtbar ist. Nach nichts riecht, nach nichts schmeckt, sich nicht greifen lässt. Und doch ist er da. Mit scheinbar keinem Mittel aufzuhalten. Nichts, das diesen Gegner auch nur ansatzweise verwunden könnte. Ratlosigkeit. Frust. Verzweiflung. Wut. Trauer. Verständnis. Sympathie. Solidarität. Aktionismus. Resignation. Die Liste ist lang.

Corona sorgt für ein völlig neues Verständnis der Welt. Eine andere Perspektive auf uns, die Menschen. Eine erhabene Spezies, die bisher alles gemeistert hat, was ihr als Aufgabe präsentiert wurde. Wir haben Kriege überstanden, mit Millionen von Opfern. Naturkatastrophen wie Sturmfluten, Hochwasser, Wirbelstürme. Extreme Hitze und extreme Kälte. Technologien haben uns bis hierher gebracht, in eine Welt der Vernetzung, des ständigen Austauschs, dem Informationszeitalter. Unzählige Krankheiten können behandelt oder gar ausgerottet werden. Roboter lernen selbstständig, KI übernimmt in immer mehr Bereichen die Führung. Und doch hilft alles nichts - scheinbar.


Da schafft es ein kleines Virus, dass auf der gesamten Welt zusammen nicht mal mehr als 2 Gramm wiegt, uns in Panik zu versetzen. Uns an dem Bisherigen zweifeln zu lassen. Daraus entsteht unglaubliche Solidarität in Form von kostenloser Hilfe bei Einkäufen und Besorgungen. Fahrgemeinschaften, Hilfe bei den täglichen Einkäufen und Verständnis für die sonst eher unbeachteten Berufszweige. Es entsteht aber auch eine Spaltung in Querdenker und Unterstützer. Befürworter des Lockdowns und ausgesprochene Gegner der Maßnahmen. In Leidtragende und Profiteure.


Corona bestimmt den Alltag. Die eingeschliffenen Verhaltensweisen eines jeden Menschen werden plötzlich in Frage gestellt und kritisch beäugt. Fragen über Sinn und Unsinn kommen auf. Misstrauen wird auf der einen Seite abgebaut, auf der anderen Seite aufgebaut. Wissenschaft gegen Politik. Politik mit Wissenschaft. Keine - zumindest mir nicht bekannt - Zeit war so geprägt von unterschiedlichen Meinungen, vermeintlichen Fakten und Misstrauen. Sich an die geltenden Gesetze und Verordnungen zu halten ist indiskutabel, auch wenn es manchem schwer fällt. Die eigene Meinung darüber ist frei und sollte auch dementsprechend geteilt werden. Corona stellt uns gewissermaßen auf die Probe: Ist das, woran wir glaube, was wir für richtig halten auch jetzt noch richtig, ist es aktuell und hält es stand auch in solchen Krisensituationen? Brauche ich Produkt XYZ wirklich? Bin ich vielleicht nur extrem gefrustet, weil ich mein gewohntes Leben nicht leben kann? habe ich Vertrauen in die Politik, in meine Nachbarn, mein eigenes Handeln?

Setzt man sich mit diesen Fragen wirklich ehrlich auseinander, wird man vermutlich überraschende Antworten finden. Die müssen nicht schön sein oder bequem. Wahrscheinlich weichen sie auch von den Antworten anderer ab. Aber Antworten bleiben es dennoch. Und bei all den Unterschieden, den Meinungen und Einstellungen, ist es am Ende doch relativ einfach. Letztlich verbindet uns Menschen in dieser Zeit, ob wir wollen oder nicht, eine Sache:


Corona.