• Sebastian

Das Hamsterrad

Wir sind irgendwie (fast) alle darin gefangen. Wir trampeln und trampeln, machen immer schneller und noch mehr, bis zur Erschöpfung. Ob diese Erschöpfung nun körperlich oder geistig ist spielt eigentlich keine Rolle, denn wir alle trampeln. Es gibt da so einen Spruch:

"Das Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter". Ist schon was dran. Aber sind wir uns dessen bewusst? Treten wir wirklich nur auf der Stelle, oder -bewegen- wir wirklich etwas? Oder werden wir bewegt, wie auf einer Rolltreppe vielleicht? Aufwärts oder abwärts?

fotografie-wolfenbuettel-rolltreppe

Ich habe da auch keine definitive Antwort. Ich kenne nur das Gefühl, so wie ihr sicherlich auch, am Monatsanfang schon aufs Konto zu gucken mit dem Wissen, dass da bald eh nicht mehr viel von übrig sein wird. Und bei diesem Gedanken sehe ich mich dann unweigerlich in dem besagten Hamsterrad. Ich bin jetzt nicht der Typ, der unbedingt Karriere machen will, was auch immer das bedeuten mag. Ich sehe nur zu, dass meine Rechnungen alle pünktlich bezahlt werden können und ich noch was übrig hab. Sei es für Shopping, einen neuen Monitor für die Bildbearbeitung :P, oder mal mit der Freundin schön Essen gehen.


Wenn das alles nicht geht, ist es eigentlich im Grunde nicht schlimm. Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die ein Dach über dem Kopf haben, sich Essen leisten können und ein Bett haben. Damit hab ich schon wesentlich mehr als sehr viele andere Menschen auf der Welt. Aber warum schreibe ich das dann hier? Hmm. Weil natürlich auch ich Bock auf coole neue Dinge hab, auf ein schönes Auto, ein neues Smartphone oder angesagte Klamotten. Auch ich esse gerne in guten Restaurants oder möchte mal in den Harz fahren zum Wandern. Ich will auch mal in den Urlaub, in ein anderes Land, mich verwöhnen lassen und mich um nichts kümmern müssen. Und das Leid der anderen ist für mich zwar sichtbar, aber extrem weit weg. Deswegen begnüge ich mich nicht immer mit dem, was ich habe.


Die Frage, die sich mir bei Wünschen oder dem Geld verdienen immer wieder stellt, ist:

Bin ich bereit, dafür im Hamsterrad zu trampeln? Bin ich bereit, für ein schönes, schnelles Auto, dass ich mir eigentlich nicht leisten kann, einen Kredit aufzunehmen, damit ich diesen dann im Hamsterrad über vielleicht 10 Jahre "abtrampel"? - Ich persönlich nicht, auch wenn der Wunsch noch da sein sollte. Ich fahre mit dem Auto ja meist eh nur zur Arbeit, zu dem Hamsterrad.

fotografie-wolfenbuettel-lotus-exige

Die Entscheidung fällt trotzdem schwer. Schließlich kann und sollte Arbeit ja auch Spaß machen. Und dafür Lohn ( in diesem Fall Geld ) zu erhalten, ist ja ein netter Nebeneffekt. Nur glaube ich, dass das eben nicht auf alle Menschen zutrifft. Viele müssen halt "einen Job" machen, damit sie die Rechnungen bezahlen können. Spaß ist da erstmal nebensächlich.

Es fällt mir wirklich schwer, diese ganzen Gedanken in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen oder zumindest zusammenhängend zu beschreiben, aber ich denke das Meiste ist euch klar.

Ich suche für mich persönlich einfach eine Art Balance zwischen dem notwendigen und dem wünschenswerten. Das ist gar nicht so einfach, man muss schon ziemlich mit sich selbst ins Gericht gehen, um das rauszufinden und sich auch ab und an eingestehen, dass man gerade auf Werbung, Gelüste, Neid, dem Wunsch nach Ansehen und Status unterliegt, oder ob man das wirklich braucht. Das entscheidet man nicht mal eben so, das dauert und erfordert immer wieder eine Korrektur der eigenen Einstellung oder Ansichten. Das kann mitunter auch ziemlich weh tun, vor allem wenn man so wie ich sehr kritisch alles Mögliche hinterfragt und auf Sinn prüft.


Letztlich ist es das aber Wert. Auch, wenn man mal seinen Wünschen "unterliegt" oder nachgibt: so lange man sich mit sich selbst kritisch auseinandersetzt, ehrlich zu sich ist und die Verantwortung bei sich selbst lässt, ist alles im Rahmen. Es ist und bleibt halt einfach anstrengend.


Alles Gute


Sebastian