• Sebastian

Die Frage nach Sinn oder dem Ziel

Ich bin sehr viel mit mir selbst beschäftigt, eigentlich zu viel. Ich denke nach, schmiede Pläne, entwerfe Konzepte oder revidiere Meinungen, die ich zuvor als unumstößlich empfunden habe. Ich bin teilweise launisch und auch ab und an etwas cholerisch. Ich neige dazu, mich zurückzuziehen, mich abzukapseln und für mich zu sein, obwohl ich gleichzeitig meine "soziale Gruppe" brauche. Ich habe tolle Ideen, innovative Ansätze, neue Strategien und auch einiges an Erfahrung, die ich einsetzten könnte. Und trotzdem komme ich nicht weiter. Weiter womit, werdet ihr euch vielleicht fragen... Gute Frage. Schön, dass ihr mir diese Frage stellt. Es ist als würde ich versuchen, eine eckige Form durch ein rundes Loch zu pressen...

Die Antwort: Ich weiß es nicht. Ich habe gestern einen Film auf Disney+ gesehen, "Soul". Ein sehr schöner Film, der auch mich zum Nachdenken gebracht hat. Darüber, wo ich eigentlich hin will und was mir wichtig ist. Was Sinn ergibt, wofür es sich lohnt sich anzustrengen oder Arbeit zu investieren. Die Antwort darauf habe ich nicht, ich weiß nur, dass meine bisherigen Antworten scheinbar nicht die richtigen waren, denn ich denke immer noch nach. Über alles mögliche. Und ich komme nicht weiter. Das klingt jetzt irgendwie schlimmer als es ist, aber es belastet mich schon ein wenig. In dem Film ging es unter anderem um Berufung und den sprichwörtlichen Funken, der überspringt, wenn man sich für etwas begeistert. Meine Begeisterung gilt nach wie vor der Fotografie, aber ob ich das mit Funke beschreiben kann weiß ich nicht. Und ob es meine Berufung ist weiß ich auch nicht. Vielleicht ist die eigene Berufung nicht gleichzusetzen mit Begeisterung; Man kann durchaus in etwas sehr gut sein, aber nicht den ultimativen Spaß daran haben. Man kann aber genauso gut sehr viel Spaß an etwas haben, aber niemals riesig erfolgreich damit werden. Fotografie eben. Aber ist das jetzt schlimm? Oder gut? Muss ich denn unbedingt erfolgreich werden, mit dem, was ich mag? Muss ich das, was ich mag, zum Erfolg treiben? Welches Ziel verfolge ich damit? Philosophie Deluxe.


Ich habe schon unzählige Dinge ausprobiert. Ich habe mich als Musikproduzent versucht mit FL STUDIO, war Modellbauer mit Revell oder auch den gehobenen Dingen wie AARMA (RC CARS), hab Fitness betrieben. Auch war ich in einem WingChun Kurs, habe eine Woche in einem Shaolin-Kloster verbracht. Ich war begeistert von Physik, der Relativität, Kernfusion, der Voyager-Mission und Harald Leschs Vorträgen. Ich bin bekennender Arte - Gucker und verfolge relativ häufig aktuelle Geschehnisse. Aber nichts davon tue ich mit absoluter Begeisterung. Warum nicht? Habe ich sie noch nicht gefunden, oder ist sie mir abhanden gekommen? Ich bin Sozialarbeiter, ein Beruf, den viele mit "Sinnhaftigkeit" verbinden würden. Sehe ich ähnlich. Aber scheinbar reicht das nicht. Ich weiß nicht wofür, warum und zu welchem Zweck ich das mache, was ich mache. Klar, um anderen zu helfen.. Aber es reicht scheinbar nicht. Zumindest nicht für mich. Wofür?

Weiß ich auch nicht. Ich mag klare Strukturen, Linien, Farbe, Formen, Eindeutigkeit, kein Drumherumgerede. Straight. Einfach so, wie es ist. Die Dinge beim Namen nennen, Tatsachen, "Wahrheiten". Trotzdem oder gerade deswegen war der Öffentliche Dienst nichts für mich, obwohl ich 12 Jahre ziemlich erfolgreich bei der Bundeswehr war. Meetings dagegen... Reden, damit es ein Geräusch gibt. Viele unnötige Informationen in einer festgelegten Zeit, die einen nicht wirklich weiter bringen. Dinge, die man auch so nebenbei besprechen könnte. Verhaltensregeln. "Knigge". Gesellschaftlich verträglich, mit dem Strom schwimmen. Konform. Normal. Mainstream. All das bin ich nicht, aber irgendwie auch doch, weil wie sollte es ohne gehen?! Wo ist mein Platz, wo werde ich gesehen, was macht mich aus? Vielleicht kennt ihr insgeheim diese Fragen, die ihr niemals laut aussprecht und nur euch selbst stellt...

Fotografie ist für mich scheinbar eine Art Ausdruck dafür geworden, wie ich mich fühle, was ich denke, empfinde, was mir wichtig ist. Das meine ich an meinen Bildern sehen zu können. Das ist natürlich hoch subjektiv und rein hypothetisch. passt aber soweit erstmal für mich. Ich würde das gerne transportieren in meinen Fotos, aber das ist glaube ich die absolute Über-Challenge. Wenn ich es schaffe, meine Gedanken und Eindrücke exakt eins zu eins in Fotos zu übertragen und ihr sie daraus lesen könnt, hab ich alle richtig gemacht. Das gelingt nur den absolut Größten Fotografen. Aber da würde ich gerne hin. Denn ich finde - auch wenn es überheblich oder eingebildet klingt - dass möglichst viele Menschen die Dinge so sehen sollten, wie ich. Oder zumindest können sollten. Einfach mal eine andere Perspektive einnehmen. Stichwort "Reflexion", der neue große "Social Skill" heutzutage. Ich würde gerne etwas bewegen, anderen Menschen nachhaltig helfen, ob sie sich nun in Armut oder Verzweiflung befinden, sonst eher gut situiert sind oder sich einfach mal hinsetzen und nachdenken. ich hab´ mit Sicherheit einen an der Waffel, aber was solls :P

Worauf ich letztlich raus will ist folgendes: Auch, wenn mein Verstand mir sagt: "Junge, stell dich nich an, alles is gut, du hast n Job, Dach überm Kopf und so", ist halt nicht alles so, wie ich es will. Wie ich es will, weiß ich noch immer nicht, aber ich bin der Antwort auf den Fersen. Es wird dauern, es wird Rückschläge geben, es wird eine anstrengende Zeit werden. Aber es wird sich lohnen. Wann und wie auch immer. Irgend eine Art von Sinn muss es geben, daran glaube ich fest. Und irgendwann werde ich entweder die Frage beantwortet haben, oder sie vergessen haben, weil sie nicht mehr wichtig ist. Wie beantwortete ihr euch diese Frage? Habt ihr sie euch überhaupt schon gestellt? Dazu fällt mir wieder etwas aus dem Film "Soul" ein. Es geht sinngemäß so ( Eventuelle Fehler seien mir verziehen): Ein kleiner Fisch schwimmt durchs Meer und trifft einen anderen Fisch. Der kleine Fisch fragt den großen Fisch:" Wo geht´s denn zum Ozean?" Der große Fisch sagt:" Kleiner, du bist mittendrin!". Der Kleine:" Aber ich bin im Wasser, wo geht´s zum Ozean?" ...