Langeweile oder Stress?

Was tut ihr so, wenn ihr gelangweilt oder gestresst seid? Tut ihr bei Stress das eine, bei Langeweile das andere? Ich für meinen Teil kann das manchmal nicht ganz auseinander halten. Vielleicht brauche ich den Stress, um dann die Langeweile "verdient" zu haben, oder vielleicht hab ich auch Langeweile, um mir dann "Stress" zu suchen, um irgendwas zu tun, Hauptsache, ich bin Produktiv. Produktiv sein ist ja sowieso das A und O mittlerweile, wehe man tut nichts! Aus welchem Grund auch immer bin ich mit meiner Kamera los und hab einfach mal fotografiert in Wolfenbüttel. Eigentlich wollte ich nach Braunschweig, aber nachdem das Licht ziemlich schnell schlechter wurde, wollte ich den Sprit nicht investieren... Mein Radlager ist eh kaputt, also was solls :P

Als ich aus dem Auto ausgestiegen bin ( ja, ich bin trotzdem gefahren ), hab ich mir gedacht, heute mache ich einfach mal Fotos in Richtung Farben. Hab ich auch, naja zumindest Ansatzweise. Vieles entsteht ja auch in der Nachbearbeitung, so wie hier. Scheinbar hab ich das unterbewusst schon im Kopf, dass ich da noch viel rausholen kann. Ich bin dann also durch Wolfenbüttel gelaufen in der Hoffnung, coole "neue" Fotos machen zu können, obwohl ich eigentlich der Meinung war oder bin, ich hab schon alles abgegrast. Aber das ist auch ein schöner Aspekt an der Fotografie: Man hat niemals alles gesehen. Entweder weil sich die Jahreszeiten ändern, man andere Wege geht oder sich einfach etwas anderes vornimmt. So bin ich auf meinem Weg auf vieles altes aber auch neues gestoßen. Einige der Bilder seht ihr hier in diesem Beitrag.

Das ist sowieso relativ häufig so: Ich nehme mir etwas bestimmtes vor, zum Beispiel den Sonnenuntergang zu fotografieren an einem See oder so, doch auf dem Weg dahin entdecke ich ganz viele andere Sachen, die mich in dem Moment einfach ansprechen. Ich weiß nicht, warum, ich weiß auch nicht, welchen Sinn das Ganze hat. Aber ich mache dann halt ein Foto und halte es fest. Einfach weil es mir in dem Moment gefallen hat und ich dabei etwas bestimmtes empfinde. Emotionen sind ja sowieso tausend mal stärker als alles was durch den Verstand gesteuert wird, wir haben nur gelernt, darauf nicht zu hören.

Mal an diesem Bild als Beispiel. Ich bin ausgestiegen, hab mir gedacht heute fotografiere ich Farben und mir stach dieses Blatt direkt ins Auge (bin nicht verletzt) :P

Weiß ist ja nun eigentlich keine Farbe, aber ich musste sofort an Winter denken und Schnee, obwohl das schon noch ein ganzes Stück weg ist. Aber irgendwie passte es gerade. Das Bild könnte genauso gut vom Weihnachtsmarkt sein, in einer gemütlichen Ecke mit Glühwein etc. Es war aber 17:30 Uhr, es war hell, kein Schnee in Sicht. Aber in meinem Kopf war es so. Also hab ich es entsprechend bearbeitet.


Tja, was soll uns das jetzt sagen? Was kann ich daraus erkennen, inwiefern ist das überhaupt sinnvoll?


Mich bringen solche Dinge immer zum Nachdenken. Es ist ja wie so oft im Leben: Man nimmt sich etwas vor, arbeitet auf ein Ziel hin, gibt mit aller Kraft seine letzte Energie dafür um genau dorthin zu gelangen... Und dann kommt es ganz anders. Das ist erstmal irgendwie frustrierend, unbefriedigend und einfach scheiße. Aber im Ernst: Ich habe mir in meinem Leben schon oft so viel vorgenommen und Pläne geschmiedet, einfach viel oder auch alles dafür getan, dass genau dieser Plan oder vielleicht sogar Wunsch Wirklichkeit wird - und dann kam es ganz anders. War aber nicht schlimm, so im Nachhinein.

Bei aller Planung, Gedanken oder auch Arbeit können wir niemals sicher wissen, was uns erwarten wird. Wir können lediglich das Ziel verfolgen und uns so gut es geht darauf vorbereiten. Wir brauchen Ziele, wir brauchen Visionen oder auch Wünsche, die uns etwas tun lassen. Welche das sind spielt dabei eigentlich keine Rolle, alle sind subjektiv und höchstpersönlich. Und fast niemand könnte uns davon abbringen, egal wie viele kluge Argumente der oder diejenige hat. Wir wollen es also machen wir es so.

Und das nehme ich für mich mit: Ich war schon immer von Street Fotografie begeistert. Ich hab aber immer Ausreden und Argumente gefunden, warum das nicht geht, warum es schwierig ist oder warum ich das einfach lassen sollte. Ich hab es - wie ihr an dem letzten Bild hier seht - trotzdem gemacht. Weil ich es wollte. Weil mein Gefühl mir gesagt hat, das ist es, was ich eigentlich machen will. Egal, ob es Geld bringt, ob es angesehen ist oder andere es toll finden. Es war mein Wunsch, die ganze Zeit. Und mein Gefühl hat mich genau das machen lassen. Ein ganz anderer Weg als geplant. Aber er fühlt sich gut an, sehr gut. Und das werde ich so gut es mir gelingt weitermachen.

Lasst euch nicht von anderer Menschen Argumente oder Aussagen leiten, hört auf euer Gefühl, macht, worauf ihr Lust habt. Und alles wird irgendwann gut.


LG


Sebastian