• Sebastian

Konsum, Corona und der Lockdown

Zuallererst einmal der Hinweis: Ich bin weder studierter Ökonom, noch sehe ich mich einer bestimmten politischen Richtung oder Partei angehörig. Ich versuche lediglich meine Gedanken zum Ausruck zu bringen. Wenn ihr das verinnerlicht habt kanns ja losgehen :P


Nach sehr langer Zeit habe ich mich mal wieder "raus gewagt", um einen kleinen, ganz persönlichen Fotowalk nur für mich allein zu machen. Durch Wolfenbüttel wollte ich diesmal nicht gehen, folgt aber bald wieder. Hannover war recht reizend, das kenn ich aber schon ziemlich gut und war auch für meine Laune an dem Tag relativ weit weg. Ich wollte unvoreingenommen los und die Straßen aufnehmen, also bin ich nach Wolfsburg gefahren und landete genau in der Innenstadt. Es war ein bisschen kalt, ganz leichter Nieselregen und etwas Wind. Dabei hatte ich meine kleine neue Fuji (mit Festbrennweite), einen Rucksack mit Verpflegung (Ins Restaurant oder Imbiss setzen is ja nich), und die Klamotten am Leib. Achja und Musik auf den Ohren.Gestartet bin dann ich in der City-Galerie in Wolfsburg. Aus vorherigen Ausflügen war mir das Prinzip einer Mall oder Galerie nicht neu, ist in den Schlossarkaden oder der Ernst-August-Galerie ja ähnlich.

Dort angekommen war ich in kürzester Zeit erschlagen von den vielen Schaufenstern, dem riesigen Sortiment an Waren, den hektischen Menschen die dort rumliefen und der für mein Empfinden sehr stark vertretenen Security. Werbetafeln, Displays, Aufsteller, Sale, Angebote, Weihnachten, Essen, Trinken, Bäcker, Musik, Verkäufer*innen... Alles da. Da schossen mir ein paar Gedanken durch den Kopf: "Wer zum Teufel soll das alles kaufen?", "Was ist das denn für Schrott?", "Das braucht doch kein Mensch!", "Junge, das aber n stolzer Preis für den Plunder!", "Boah, das is ja geil". Naja solche Gedanken eben. Ihr kennt das vielleicht.


Die Security habe ich deshalb erwähnt, weil ich mit meiner doch eher unscheinbaren Kamera keine 5 Minuten in der Galerie verbracht habe, und schon einer dieser Menschen auf mich zukam und - höflich - gefragt hat, was ich denn da mache ( Siehe Bild ).


"Ich mache Streetfotografie,Linien, Formen, Farben etc.."

-"Sie können die Maske beim reden ruhig auflassen"

"Oh, ja sorry, hatte Musik auf un..."

-"Aber in die Läden oder so fotografieren sie nicht oder?"

"Nein, natürlich nicht!"

-"Ok, dann gut, schönen Tag noch."

"Danke, ebenso."


Hab ich wirklich nicht. Dennoch stellt sich mir die Frage, warum eigentlich nicht? Ich mein es steht ja eh hinter einer transparenten Wand / Glasscheibe, teilweise sogar noch davor, also warum sollte ich das nicht fotografieren (dürfen)? Klar, Security war in erster Linie dazu da, die Einhaltung der Maskenpflicht zu überwachen, aber scheinbar ist das nicht ihr einziger Auftrag dort. Im Nachhinein vielleicht damit niemand die Läden quasi ausspioniert und so einen großen Coup plant? Keine Ahnung. Egal.

Ein bisschen genervt bin ich dann raus aus dem Kolloss um halt die so wie ich sie sehe klassische Streetfotografie zu betreiben. Und da ging das gehadere für mich schon los. Kleiner Exkurs: Ich kenne oder sehe Streetfotografie so, dass man das Geschehen der Straße und die darin enthaltenen Gesichter einfängt. Möglichst bei interessanten Handlungen, vor speziellen Hintergründen oder beim Spiel mit Licht und Schatten. Oder in Kombination. Tja.

Der erste "richtige Fund" war dieses Bild hier. Scheinbar ein defekter oder weggeworfener E-Scooter vor einem Haufen Sperrmüll oder so. Mir gefiel der Gegensatz: Größere Stadt, Autos, Verkehr, Dreck, Lärm, Abgase... Klimaziele. Elektromobilität. Green. Umweltfreundlich.

Ein E-Scooter, entsorgt mitten in der Stadt, neben Sperrmüll, knapp 25 Meter entfernt von der Konsumdurchfluteten Galerie. Auf meinem weiteren Weg durch die Stadt hatte ich mir erhofft, ein paar Streetfotos machen zu können, aber irgendwie ist nicht so richtig der Funke übergesprungen.


Auf der einen Seite, weil sehr viele Menschen schon böse oder grimmig (meine Interpretation) gucken, wenn man sich ihnen nur mit einer Kamera nähert oder gar kurz vor ihnen anhält und versucht einen Bildausschnitt zu wählen. Dabei waren in 95 % der Fälle eben diese Menschen nicht mal in meinem Bildausschnitt. Aber gut, können die ja nicht wissen. Ich will hier auch niemandem das Recht auf Privatsphäre nehmen (schwer im öffentlichen Raum), noch will ich die DSGVO aushebeln, umgehen, ignorieren oder sonst jemanden in seinen Rechten verletzen. Aber ist es nicht komisch - es folgt ein weiterer Gedanke - dass November 2019 rund 57 Millionen Menschen ein Smartphone nutzen, (QUELLE) das zumindest rudimentäre Aufnahmen mit einer Kamera anfertigen kann? Woher kommen denn die ganzen Feeds, Stories, Posts, Comments, Likes etc.? Sehr häufig vermutlich von Smartphones. Kräht scheinbar kein Hahn nach. Bei einer Kamera jedoch - Schock! Gilt natürlich nicht für alle.


Auf der anderen Seite, weil die Masken zumindest für mich, auch sehr stark die Mimik und Einzigartigkeiten der Menschen zumindest bedecken. Mir fehlt da was an Ausdruck, was allerdings natürlich dem gegenseitigen Schutz geschuldet ist und deswegen in Ordnung ist.

Aber irgendwie machte mir das Ganze so keinen Spaß. Also fast schon aufgegeben, aber gut, einen letzten Versuch noch. Bei diesem Versuch mit mangelnder Motivation ist mir gerade durch diese hier geschilderten Gedanken diese Szene hier aufgefallen:

"Mehr als 300 Einzelhandels- und Gastroangebote". Ich kam gerade von den Einzelhändlern, den Angeboten und der Gastro. Hier seh ich aber nichts. Hier steht alles leer. Eine ganze Front. Komplett leer. Ausserhalb der Galerie gibt es solch kleine Läden nicht mehr viele, jedenfalls grob überschlagen keine 300. Gastronomie ist auch zu bzw. nur Take Away. Und der Lockdown kommt. Also noch mehr dicht. Natürlich wird in Zeiten von großen Online-Händlern vieles im Einzelhandel kaputtgehen. Vieles wird sich ins Internet verlagern oder einfach umstrukturieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und das "Ladensterben" gabs schon vor Corona. Und manche stehen dem kritisch gegenüber, machen Online-Händler, Geiz, Gier oder andere Faktoren dafür verantwortlich.Dennoch: Die Galerien, Malls oder Centren, wie auch immer man sie nennen mag, boomen. Mit unfassbar viel Ware, vielen Angeboten und ähnlichen Preisen. Neue (umweltfreundlichere) Technik wird schnell entsorgt. Trotz nun fast 10 Monaten Corona. Trotz zweier Lockdowns.

Und der nächste folgt. Wie passt das zusammen?