N Scheiß muss ich !...?

Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber ich fühle mich ab und an einfach falsch. Falsch hier, in dieser Welt, an meinem Platz. Falsch an meinem Platz in der Gesellschaft. Sehen mich die anderen überhaupt? Bedeutet mein Handeln und Sein etwas für andere? Leiste ich meinen Beitrag zu was auch immer? Ist das richtig was ich tue? Wohin will ich eigentlich, was ist mein Ziel? Warum ist die Welt so, wie sie ist? Will ich das alles? Fragen über Fragen...

Bei vielen meiner täglichen Abläufe und Routinen gehen mir solche Fragen durch den Kopf. Immer mal wieder nebenbei und ganz willkürlich, so richtig Einfluss darauf habe ich keinen. Es ist eher so eine omnipräsente Frage bei allem, das ich tue oder auch nicht.


Gehe ich heute zum Sport oder hab ich einfach kein Bock? Ich wollte ja eigentlich fitter werden und muskulöser, aber irgendwie...nee, heute nich. Couch oder PC is geil.


Ist das jetzt ein Zeichen von mangelndem Durchhaltevermögen, ein Zeichen von Schwäche oder wie soll ich das deuten? Bereite ich mein Essen widerwillig für morgen noch heute Abend vor oder mach ich das dann in Hektik morgen früh? Hab ich eigentlich wirklich Lust auf meinen Job oder mache ich ihn wegen des Geldes? Bin ich freundlich zu vielen anderen Menschen weil ich es will und einfach so bin, oder mache ich das, weil es "gesellschaftlich gefordert" wird? Was MUSS ich eigentlich wirklich, was WILL ich wirklich?


Na klar, ich kann mir beispielsweise auch abends Serien reinziehen. Ich hab ja schließlich Feierabend und quasi den ganzen Tag gearbeitet, da hab ich mir das aber sowas von verdient. Oder weiß ich einfach nicht, was ich sonst machen soll? Habe ich sonst für nix genug Zeit? Lasse ich mich dauer-berieseln, damit meine scheiß Gedanken nicht so laut schreien, oder hör ich ihnen zu? Was würden sie wohl zu mir sagen:


+ Ich will jetzt ne fette Pizza.

- Nee, du musst auf deine Figur achten!


+ Ich bleib mindestens bis 23:30 Uhr wach, ich will noch was vom Tag haben!!!

- Boah alter, ich geh pennen, ich bin sau müde.


+ Dem / Der scheiß Kollegen / Kollegin würg ich morgen für heute so richtig eins rein!

- Mhmh, das macht man nicht, und außerdem bin ich ja dann nicht besser als der / die.

Ich will an den See! Ich will Ruhe! Ich will mich damit nicht befassen müssen. Ich hab keine Lust dem Labyrinth des täglichen Lebens zu folgen, nur um einigermaßen gut und normal dazustehen. Aber ich MUSS ja. Mein Überleben hängt davon ab. Ich brauche Geld. Ich brauche ein Einkommen und möchte mir auch was leisten. Und ich will auch nicht einsam sein oder alleine dastehen.


So weit, so gut. Aber eigentlich ist das - zumindest nicht meine - Natur. Vieles von dem, was ich den ganzen Tag über sage, habe ich nicht so im Kopf. Wenn ich sage: "klar mach ich das und dies noch", habe ich eigentlich ein "Warum kannst du die Scheiße nicht selber machen" im Kopf. Das erzeugt innere Spannungen und Unwohlsein. Frust. Wut. Das fühlt sich nicht gut an und lässt mich zuweilen auch von mir selbst glauben, dass ich ziemlich arrogant bin. Bin ich aber nicht ( behaupte ich ). Ich hab nur einfach keinen Bock auf manche Dinge, bei denen offensichtlich ist, dass ich sie mache, weil andere es nicht wollen oder können. Da kommt dann wieder das Gefühl des "Falsch seins", des nicht "Hier her Gehörens" oder wie auch immer man das nennen mag. Es fühlt sich falsch an Dinge zu tun, die ich eigentlich nicht machen will.


Es kann doch auch nicht unser aller Aufgabe sein, sich morgens aus dem Bett zu quälen, um mit halbwegs guter Laune ( Wenn man Glück hat ) in die Arbeit zu gehen. Mies gelaunte Autofahrer*innen morgens auf dem Weg zur Arbeit, das Gesicht nach unten gezogen wie ein Pferd. Das alles nur, damit man dann abends noch die liegengebliebenen Aufgaben erledigt, die sowieso nur deshalb abends nötig sind, weil man sie eben tagsüber nicht schafft. Und die Freizeit besteht dann in Serien-suchten, irgendwelche tollen Sachen kaufen, die man im Grunde ja nur braucht, weil man nicht weiß, was man sonst tun soll oder für nichts anderes Zeit hat. Ja, ich habe auch einen tollen PC, ein Auto, eine schöne Wohnung, ein Smartphone und die Freiheit ( das Geld ), mir eine Homepage zu leisten, damit ihr das hier lesen könnt. Deswegen hab ich einen Vollzeit-Job. Und noch Glück im Gegensatz zu vielen anderen, die mehrere Jobs haben müssen. Die Herangehensweise ist aber meiner Ansicht nach nicht die richtige.


Versteht mich nicht falsch, ich bin NICHT gegen das Arbeiten an sich, ich finde nur das System, so wie ich es kennengelernt habe, suboptimal. Es gibt mit Sicherheit Ausnahmen, aber letztlich bestimmt doch das Geld, was wir wann wie und für wen tun. Arbeit ist wichtig, um Güter herzustellen oder etwas zu bewirken und zu verändern. Arbeit ist auch für einen selber etwas Gutes, wenn es Spaß macht. Aber so, wie ich das System häufig empfinde, geht es oft nur um die Darstellung von etwas, darum, das System in seiner aktuellen Form zu bedienen und eben der Norm zu entsprechen. Sich viel mit unnötigem rumschlagen, viel einstecken, keine Selbstverwirklichung, keine Stärken nutzen, keine Freude zu haben. Stichwort MÜSSEN. Ich MUSS arbeiten, Ich MUSS viel Geld verdienen, ich MUSS einen gewissen STATUS haben und MUSS natürlich mich und meine Familie ernähren. Also MUSS ich auch einen Job machen, der mir nicht wirklich gefällt, der oft nervt oder mies bezahlt wird und keine guten Arbeitsbedingungen hat.


Wer auch immer diese Sachen festgelegt hat ( Vermutlich waren wir das alle zusammen ).

Natürlich kann nicht einfach nur jeder machen, worauf er Bock hat, ein bisschen Nutzen oder Koordination sollte das Ganze schon haben. Aber darf und kann das alles nicht auch einfach Spaß machen? Darf es nicht eine Tätigkeit sein, die wir wirklich, wirklich gerne tun und deswegen auch besonders gut können? Sollte das nicht reichen, um unser Überleben zu sichern? Sollten uns nicht auch Pausen oder geringere Arbeitszeit gegönnt sein?

Deshalb fühle ich mich falsch. Ich MUSS mit meinem derzeitigen Job oder sonst der Fotografie Geld verdienen, und zwar einiges, damit ich alleine damit überleben kann. Dafür MUSS ich dann Werbung machen. Ich MUSS dem Standard folgen, was zum Beispiel Hochzeiten betrifft. Ich MUSS immer ein "Get Ready", eine Ringübergabe oder ein Paarportrait machen. Ich MUSS bestimmte gesellschaftliche Normen oder Anforderungen einhalten und manche Dinge auf eine bestimmte Art und Weise darstellen. Sonst bin ich raus. Zumindest bei den Meisten. Aber echt jetzt: MUSS ICH NICHT! Wird dann wahrscheinlich nicht zum Überleben reichen, aber ich MUSS DAS NICHT!


Und deshalb, wie an diesem Beispiel gezeigt, fühle ich mich falsch hier. Da ist dieser innere Konflikt. Diese eine Stimme, die mir immer sagt: "musst du nicht, solltest du aber"! Das ist nicht meine Natur. Das bin nicht ich. Das ist nicht meine Art, die Dinge zu tun. Das will ich nicht. Aber ich MUSS, weil es anders nicht geht. Ich habe zumindest noch keine vernünftige Alternative gefunden. Geht euch doch auch so. Ach kommt schon.


Oder vielleicht doch? Wie gehts euch damit?


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